Stab und Brustkreuz für Weihbischof Marahrens
Pontifikalien – Stab und Brustkreuz Weihbischof Martin Marahrens
Das Pektorale bezeichnet das Brustkreuz geistlicher Würdenträger, früher auch einen einfachen Schutz für den Oberkörper. Ein Brustkreuz ist im Christentum eine Insigne für Bischöfe Kardinäle, Äbte und Äbtissinnen und Dompröpste. Das Pektorale wird an einer Kette getragen.
Geschichtlich hat es seine Vorläufer schon in der Steinzeit. Schamanen trugen Ketten mit Anhängern, die den Träger vor bösen Einflüssen schützen sollen. Berühmt sind die Pektorale der ägyptischen Pharaonen.
Das Pektorale für Weihbischof Marahrens wurde in der Schmiede der Abtei Königsmünster gefertigt. Es nimmt gezielt die Tradition des Scheibenkreuzes auf. Gibt es doch in der Geschichte des Bistums berühmte Vorbilder im romanischen Domschatz. Das dort reich verzierte Kreuz ist ein griechisches Kreuz, bei dem die vier Kreuzbalken gleich lang sind. Es gleicht dem „+“-Zeichen und vertieft die „positive“ Wirkung des Kreuzes als Zeichen, das vor all unserem Dasein steht und das „Ja!“ Gottes vermittelt.
Als Material wurde Meteoritdamast in einer Kombination mit golden gefärbtem Titan gewählt. So verbindet das Kreuz die archaische Schmiedetechnik der Feuerverschweißung mit einem modernen technischen Metall. Tradition und Innovation ergänzen sich gegenseitig. Hier werden „Himmel und Erde“ verbunden. Meteoriten sind Material aus einer Schuttwolke, die sich in unserem Sonnensystem bewegt. Dabei handelt es sich ggf. um Kometen aus dem Weltall, die zerstört sind oder um die Reste eines Sonnensystems, das vor unserem an diesem Ort war. Meteoriten bestehen zu ca. 70% aus Steinmaterial und zu 30% aus reinem metallischem Eisen. Dieses gibt es auf unserem Planeten nur im Erdkern. Auf der Erdoberfläche finden wir nur mineralisches Eisen, also im Erz gebundenes. Der Meteorit ist mit ca. 4,55 Mrd. Jahren älter als unsere Erde (4,5 Mrd). Schmiede der Vorzeit haben das Material schon immer eingesetzt, weil die Herstellung von Eisen einerseits ein großer Arbeitsaufwand war, den die Menschen erst ab 600 vor Christus meistern konnten. In der Mumie des Pharao Tutanchamun wurde ein Dolch aus diesem Eisen gefunden – zu einer Zeit gefertigt, in der Menschen Eisenerz noch gar nicht verarbeiteten.
In diesem Kreuz wurde Meteoriteisen aus dem argentinischen Campo di Cielo[1] eingeschweißt. Das Material erzählt damit eine besondere Geschichte. Damaszenerstahl ist historische gesehen ein Material aus der Rüstungsindustrie. Bis ca. 1000 nach Christus wurden die Schwertwaffen aus diesem Material hergestellt. Berühmte Schwerter wie Excalibur oder Nothing waren sicher aus Damaszenerstahl gefertigt. Die Tatsache, dass diese Waffen „überweltliche“ Ursprungs sein sollten, könnte vermuten lassen, dass auch hier Meteoreisen eingesetzt wurde. Man könnte für diese Pektoral den Vers aus Micha 4,3 einsetzen: „Schwerter zu Pflugscharen!“ Aus dem Kriegsgerät wird ein Segenszeichen.
Formal bleibt die Mitte des Kreuzes leer. Die romanischen Scheibenkreuze tragen hier einen durchsichtigen Bergkristall. Zeichen der Reinheit und der Auferstehung. Kirche von heute bietet einen Raum des Dialoges. Leitung, in diesem Sinn verstanden, könnte sich eher als Hören, denn als Wissen oder gar Vorgeben verstehen. Dazu braucht es offene Räume. Lösungen für die Fragen von heute werden im Miteinander entwickelt.
Der Krummstab, Pastoralstab, ist als altägyptische Insigne bereits seit dem Alten Reich (2707–2216 v. Chr.) belegt und wurde als religiöses Herrschaftssymbol von vielen Ländern übernommen.
In der christlichen Tradition gehört der Krummstab zu den Pontifikalien und besteht aus einem Schaft und der an seinem oberen Ende anschließenden Krümme. Kaiser Konstantin erteilte im 4. Jahrhundert den Bischöfen durch das privilegium fori die Erlaubnis, als Zeichen geistlicher und weltlicher Rechtsprechung einen dem Augurenstab ähnlichen Stab zu tragen.
Zu den ersten Erwähnungen zählt der Hirtenstab, den der Erzbischof von Canterbury dem Abt Theodor von Canterbury verlieh. Der eigentliche Krummstab verbreitete sich in seinem Gebrauch vor allem bei kirchlichen Würdenträgern im 7. Jahrhundert in Spanien und Frankreich, außerhalb der Liturgie als Symbol der Gerichtsbarkeit.
Das Sprichwort „Unterm Krummstab ist gut leben“ entstand, weil in den geistlichen Territorien die bäuerlichen Untertanen in der Regel mehr Rechtssicherheit und bessere Lebensbedingungen hatten; so gab es hier keine Großgrundbesitzer und keine Leibeigenschaft. Außerdem gab es dort mehr Feiertage als in den weltlichen Gebieten.
Der Stab für Weihbischof Martin Marahrens ist aus Holz und Metall gefertigt. Der Stab ist an sich ist ein starkes, eindeutiges Symbol, so dass es keiner weiteren Verzierung bedarf. Die Krümme ist aus Titan geschmiedet. Archaische Technik des Schmiedens im Feuer und das hochmoderne technische Material werden kombiniert. Die goldene Oberfläche ist goldfarben gefärbt. Ein Verfahren, das mittels Stromzufuhr ein Oxid aufbringt, dass das Licht filtert. Der Stab selber ist aus Esche, dem wegen seiner Elastizität und Zähigheit klassischen Material für Stäbe. Das Griffstück ist mit Leder umwickelt. Hier eine Anspielung auf die Türgriffe im Hildesheimer Dom. Dieser ist die Mutterkirche aller Kirchen im Bistum Hildesheim. Wenn der Weihbischof die Gemeinden besucht, stellt er die Verbindung zur Einheit mit der Kirche von Hildesheim dar.
Wir wünschen dem neuen Weihbischof von Hildesheim Kraft, Geistesgegenwart und Gottes Segen
p. abraham osb