Schlagwort: Klosterregel

Interview mit Ron Knape, Konditormeister unserer Konditorei

Ron Knape, Konditormeister

Fortbildung ist in allen Bereichen unserer Betriebe unerlässlich. Die Entwicklungen gehen oft so schnell, neue Verordnungen, Rezepte, Produkte und Verfahren. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, gehen unsere Mitarbeitenden immer wieder zu unterschiedlichen Workshops und Seminaren.

Im Interview mit Ron Knape, unserem Konditormeister, habe ich mit ihm über zwei Fortbildungen gesprochen.

Dabei ging es einmal um eine interne Veranstaltung für unsere Mitarbeitenden. Uns ist es ein Anliegen, dass die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, ein tieferes Verständnis vom Klosterleben bekommen. Dazu veranstalten wir regelmäßig Seminartage.
Außerdem besuchte Herr Knape ein Schokoladenseminar und brachte Neuigkeiten mit auf den Klosterberg, die Schokoladenfreunde gewiss in Verzückung bringen werden - es gibt bald etwas ganz Neues in der Schokoladenwelt, etwas, dass es bisher wirklich noch nicht gegeben hat!

7 Wege wertvoller zu leben aus der Klosterregel

Die Klosterregel ist über 1200 Jahre alt. Wir sprechen also über ein antikes Dokument, das für antike Menschen geschrieben ist. Nicht für Menschen mit Smartphone, Flugtaxis und der Erfahrung von Weltkriegen, Aufklärung und Postmoderne.
Und wenn wir die Benediktsregel zur Hand nehmen, dann fällt vielen schnell auf, wie weit die Regel von unserem Alltagsleben in der Moderne entfernt ist.
Nicht alles in der Benediktsregel ist heute noch lebbar und vieles ließe sich nur mühsam, wenn überhaupt, in ein modernes klösterliches Leben integrieren.
Und das gilt erst recht für ein Leben außerhalb des Klosters, das sich an der Klosterregel orientieren will.
Dennoch gibt es natürlich im zeitlich Bedingten das ewig Gültige, die Weisheit, die sich vermutlich nicht großartig wandeln wird.
Und da hat die Klosterregel tatsächlich einiges zu bieten, was unserem Leben ein Mehr an Wert geben kann.


Was bedeutet es, “wertvoll zu leben”?

Es bedeutet zunächst, bewusst zu leben - gewiss könnte man sagen: Eine Floskel. Es heißt nichts anderes als den gewöhnlichen Tag nicht zu verschlafen und am Abend noch zu wissen, was ich mittags gegessen habe.
Es heißt aber auch, sich zu entscheiden und Kriterien zu haben, wonach ich mich entscheide.
Die Klosterregel hat solche Kriterien für sich aufgestellt und anhand dessen versucht, ein Leben zu skizzieren.

Warum kann die Klosterregel für Menschen hilfreich sein, die nicht im Kloster leben?
Die Regel hat den Anspruch, über das klösterliche Leben hinaus ein christliches Leben konkret vorzuschlagen und zu entwickeln. Die Grundfragen sind dabei für alle gleich, die Antworten werden aber natürlich in mehr oder weniger größeren Nuancen unterschiedlich ausfallen.
Dennoch steht Benedikt in einer Weisheitstradition und begründet eine solche zugleich. Und diese Weisheit hat nun mal den Anspruch, allgemeingültig zu sein - wenn nicht gleich für alle, sodann zumindest für viele Menschen.

Ich habe einmal ein paar Aspekte der Regel herausgefiltert, bei denen ich den Eindruck habe, dass diese über die Zeiten gültige Antworten geben und möchte sie Ihnen hier darstellen. Vielleicht ist ja der ein oder andere Aspekt dabei, der auch Ihnen hilft, Ihr Leben noch wertvoller zu gestalten.

1. Verschaffen Sie sich einen gesunden Lebensrhythmus

Manchmal ist es ja ganz angenehm, in den Tag zu leben, zu tun, was einem gerade einfällt und sich einfach von der Zeit und dem eigenen Gespür treiben zu lassen. Doch auf Dauer merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, eine gute Struktur im Tag zu haben. Eine Struktur, die mir nicht nur ermöglicht, meine Arbeit zu tun, sondern auch meine Zeit der Ruhe und Entspannung zu genießen. Es geht bei einem guten Rhythmus im Leben nicht nur um Optimierung, um besser und schneller arbeiten zu können. Es geht auch darum, wirkliche Zeiten zu haben, wo ich Kraft schöpfe und neue Energien sammle. Dazu gehört für mich eine Mittagspause, die auch wirklich so genannt werden kann. In Ruhe zu essen, etwas zu ruhen, aus der Anspannung der Arbeit mich selber zu entlassen und wieder in ein inneres Gleichgewicht zu finden. Dazu gehört auch das Wochenende und der Urlaub im Jahr. Zugleich zeigt ein guter Rhythmus auch die Grenzen der Arbeit auf, zeigt, wo Arbeit mit Recht und Fug stattfinden darf und wo Arbeit nichts zu suchen hat.
So gerne ich auch arbeite - es braucht Begrenzung.
Benedikt von Nursia hat seinen Mönchen einen sehr klaren Tagesablauf gegeben. Alles hat darin seine Zeit und seinen Raum. So war für alles gesorgt.

2. Bewahren Sie sich den Anfängergeist

Haben Sie schon einmal Yoga gemacht? Auf einem Bein stehen und die Hände waagrecht in der Luft halten? Man versucht es und fällt immer wieder um - gerade am Anfang. An dieser kleinen Übung merkt man, wie wichtig es ist, immer wieder neu in die gewünschte Haltung zurück zu finden, immer wieder neu zu üben.
Das ist der Anfängergeist, der gerade im Zen-Buddhismus eine große Bedeutung hat. Immer wieder neu in die eigene Haltung finden, immer wieder neu umfallen und immer wieder neu zurückfinden. Es liegt auf der Hand, dass diese Yoga-Übung ein Sinnbild für vieles im Leben ist, oder?
Wir haben alle hehre Pläne, Ziele und Werte und wir fallen alle immer wieder um. Man könnte nun sagen: Na, dann lassen wir es halt. Oder aber wir entfalten in uns den Anfängergeist, der stets von neuem beginnt.
Für Benedikt war es wichtig, den Brüdern immer wieder eine Chance zum Neubeginn zu geben, immer wieder eine neue Chance, an sich zu arbeiten.

3. Suchen Sie Zeiten der Stille und Sammlung

Stille und Sammlung sind extrem wichtige Elemente in einem Leben, das sich weiterentwickeln will. Stille ist die Zeit, wo sich Neues in uns entwickeln kann, die Zeit des Gebärens und des schöpferischen inneren Tuns. Wer sich den ganzen Tag zudröhnt, neue Informationen aufnimmt, Musik, Video, sich ein wenig im Internet verlieren, Freunde treffen, der kann sich darin verlieren, sich nicht mehr spüren und wahrnehmen, was wirklich wichtig ist.
Stille gibt Ihnen Zeit, nachzuspüren, was Sie jetzt möchten, wie es jetzt um Sie steht, was jetzt dran ist. 
Benedikt hat ein eigenes Kapitel zur Sammlung verfasst. Für ihn war klar, dass im ganzen Kloster Stille herrscht, damit die Brüder dieses Gespür für Leben entwickeln und bewahren.

4. Lesen Sie ein Buch

Klosterbibliotheken sind sprichwörtlich, sind eine Legende, sind immer eine Möglichkeit für ein beeindruckendes Bild, für einen Bildband, für ein Staunen und Beeindrucktsein.
Dass die Benediktiner so viel Liebe in die Gestaltung der Bibliotheken gegeben haben, lag nicht nur am damaligen Reichtum mancher Klöster, sondern auch daran, dass sie wahre Lesemeister waren. 
Lesen ist die Möglichkeit, an der Weisheit und den Einsichten anderer Menschen teilzuhaben. Wenn Sie Ihr Leben wertvoller leben wollen, dann brauchen Sie gute Impulse. Natürlich kann das heute auch etwas anderes als ein gedrucktes Buch sein. Ein gutes YouTube Video, ein wirklich inspirierender Podcast können da einen wirklichen adäquaten Ersatz darstellen.
In seiner Regel verpflichtet Benedikt seine Mönche zum Lesen. Es gehört für ihn zur täglichen Übung dazu. Und damit auch des Lesens Unkundige von den Büchern etwas haben, bestimmt er, dass zu den Mahlzeiten etwas vorgelesen wird (sozusagen eine Vorform des Hörbuchs).

5. Geben Sie allem einen Ort

Für alles einen Ort haben ist nicht nur ein bewährtes Ordnungsprinzip, sondern auch eine Hilfe, um unser jeweiliges Tun zu stärken. Wer für die tägliche Meditation stets den gleichen Platz in der Wohnung nutzt, der wird die eigene Meditation stärken. Es ist auf alle Fälle anders, sich täglich neu eine Ecke zu suchen, mal hier und mal dahin zu gehen. Der eigene Geist gewöhnt sich gerne an immer gleiche Rituale und Plätze und bringt uns sodann in die geeignete Stimmung.
Am Esstisch die Mahlzeiten einzunehmen, am Schreibtisch zu arbeiten und im Sessel zu entspannen. Man muss es ja nicht übertreiben, Variation tut einem Leben ebenso gut. Und doch kann ein solches Vorgehen dem Tun dienlich sein.
In der Klosterregel beschreibt Benedikt genau, wo was stattfindet und legt großen Wert auf eine solche Struktur. Sie soll den Geist der Mönche klären und stärken.

6. Machen Sie so viel wie möglich selber

Wir sind es gewohnt, alles zu kaufen, was wir brauchen. Egal was es ist, wir verlernen mit jeder Generation Kenntnisse über viele Fertigkeiten, die noch wenige Jahrzehnte vor uns für das alltägliche Leben grundlegend waren. Zum Glück merken wir, wie wichtig es ist, wieder mehr selber herzustellen - gerade im Zuge eines nachhaltigen Lebens. Selbst Waschmittel, Duschgel und vieles andere lässt sich ohne Mühe selber herstellen. Warum nicht einfach mal wieder selber Hand anlegen und einen Versuch starten. Wir bekommen dadurch eine neue Beziehung zum Leben und es fördert unsere Selbständigkeit. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, für sich selber sorgen zu können. Im Kloster Benedikts sollte möglichst alles im Kloster selber vorhanden sein, so dass die Brüder sich selber versorgen konnten. Gerade wenn man damals ohnehin gewohnt war, alles selber herzustellen, ist es doch erstaunlich, dass Benedikt darauf besonders hinweist.

7. Leben Sie aus einer spirituellen Bezogenheit heraus

Nun, dieser Aspekt gehört eigentlich an den Anfang, aber irgendwie zielt auch alles darauf hin, deshalb habe ich ihn dann doch ans Ende gesetzt. Wer den Bezug zu Gott, zum Lebensgrund, zu dem, was Leben im Tiefsten ist, verliert, entfernt sich auch von der Fülle des Lebens. Und wer die Fülle des Lebens nicht spürt und in sich aufnimmt, der wird sie sich durch anderes herstellen müssen. Etwas anderes, dass diesen Hunger nie wird füllen können. Sich als ein spiritueller Mensch zu begreifen und sein Leben danach zu gestalten, ist ein wichtiger Aspekt für ein wertvolles Leben. Wir sind göttlichen Ursprungs, Kinder Gottes und unser wirklicher Wert entspringt nach christlicher Vorstellung diesem Ursprung. Gibt es ein Verstehen des Menschen, das darüber hinaus ragt, das dem Menschen einen größeren Wert und eine größere Würde gibt?
Die ganze Regel Benedikts ist ein Ausdruck dafür, ja, ist dafür geschrieben, mit dieser Quelle des Lebens verbunden zu sein und zu bleiben. Diese Verbundenheit kann und will uns ganz erfüllen. 

Übrigens, ehe ich es vergesse, natürlich hat Benedikt auch etwas zur Arbeit im Kloster gesagt. Er war der erste der alten Väter klösterlichen Lebens, der Arbeit eine positive Konnotation gegeben hat, der es Wert schätzte, wenn die Mönche arbeiteten.
Diese Wertschätzung hat viele Generationen von Mönchen dazu bewogen, das Land zu kultivieren, Handwerke auszuüben und darin nicht einen Gegensatz zum Gottesdienst zu sehen, sondern einen weiteren Ausdruck der Liturgie und der Feier des Glaubens.
Und darauf gründet sich auch unser Tun auf dem Klosterberg in Meschede und in den Werkstätten der Abteiwaren.

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